Aktivitäten und methodische Vorgehensweisen


Sich mit dem Rad auf eine Zeitreise begeben, einen Flyer erstellen, eine Brandenburger Imkerin besuchen oder Teil eines Impro-Theaterstücks zu sein – das klingt zunächst nicht nach politischen Veranstaltungen. Dies sind jedoch vielfältige und kreative Möglichkeiten, sich auf unkonventionelle Art und Weise mit politischen und aktuellen Themen und Problematiken zu befassen, dabei neues kennenzulernen und sich auf diese Weise aktiv zu beteiligen. Unser Ziel war es, Politik im Besonderen für Frauen attraktiv und erlebbar zu machen. Im Folgenden sind alle Einzelaktivitäten der Projektlaufzeit aufgelistet und verschiedene methodische Vorgehensweisen näher erläutert.

 

A. Kreative Gestaltungsworkshops zur Öffentlichkeitsarbeit engagierter Frauen und Bürgerinneninitiativen

 

Interessierte Frauen, die bestrebt sind, ihre Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen, haben sich zusammen gefunden, um sich mit dem Thema zeitgemäßes Image der Brandenburger „Land“frau, der Nutzung neuer Medien sowie der Gestaltung von Flyern und Postern vertraut zu machen. Dabei ging es darum, zivilgesellschaftliche Aktivitäten qualifizierter in die Öffentlichkeit zu tragen, um somit auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen und weitere Frauen für ihre Arbeit gewinnen zu können. Ausgangspunkt war dabei oft das vorherrschende Frauenbild der im peripheren Gebieten lebenden Frau. Die existierenden Defizite in der Nutzung neuer Medien und visueller Gestaltung stellten oft Hürden für die einzelnen Frauen dar. In den Workshops wurde den Teilnehmerinnen das Rüstzeug mit auf den Weg gegeben, um mit Hilfe neuer Medien auf geplante Aktionen aufmerksam zu machen und Informations-veranstaltungen publikumswirksam zu veröffentlichen. Ziel war es die Selbstdarstellung zu verbessern, bestehende gesellschaftlich verankerte Bilder und Begrifflichkeiten zu hinterfragen und mehr Frauen für zivilgesellschaftliches Engagement zu begeistern.

 

B. Ausflüge und Gesprächsrunden

 

Aktuelle Themen wie nachhaltige Entwicklung und Ressourcen in der Landwirtschaft, Arbeitsmöglichkeiten und Infrastruktur im peripheren Brandenburg sowie Gesundheit und Ernährung dienten als Ausgangspunkt zur Förderung von Bürgerinnenpartizipation um soziale und politische Problemfelder im eigenen Dorf anzugehen. Gemeinsam befassten sich die TeilnehmerInnen mit lebensnahen und aktuellen Themen und lernten nachhaltige Gestaltungs- und Handlungsmöglichkeiten kennen. Sich für das Gemeinwohl zu engagieren, verband sich mit dem Wunsch gemeinsam etwas zu tun und den Zusammenhalt zu stärken. Dabei ging es auch darum, das Dorf als Lebensraum attraktiv zu machen und Abwanderung entgegen zu wirken. Oft wurden regionale Ressourcen aufgezeigt und Kulturgut und Traditionen vermittelt, um somit die Identifikation mit dem Lebensraum Dorf zu stärken.

 

C. Historische Radtour und Exkursionen

 

Der Besuch historisch bedeutender Orte, Gebäude und Denkmäler sowie die Führungen ortsansässiger Referentinnen zur Geschichte des jeweiligen Orts und der Umgebung boten nicht nur Einblicke in das dörfliche Leben vergangener Jahrzehnte, sondern regten darüber hinaus dazu an, aktuelle Bezüge herzustellen und sich mit Themen wie Religion und Toleranz, Konflikten und Ideologien zu beschäftigen. Erzählt wurde darüber hinaus Geschichte und Geschichten von Emanzipation, unterdrückten und verborgenen Identitäten und dem Kampf um Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Anerkennung der Frauen. Die TeilnehmerInnen besuchten etwa in Perleberg Orte, die symbolhaft für emanzipatorische Kämpfe um Anerkennung, Sichtbarkeit und gleiche Rechte stehen.

 

D. Spielerische Zugänge und kreative Mitgestaltung

 

Als besonderes Instrument zur Informationsvermittlung diente das Geocaching. Diese digitale Schnitzeljagd bietet einen spannenden und spielerischen Zugang zu historischen Themen. Im generationenübergreifenden Dialog wurde darüber nachgedacht, inwiefern versteckte Pfade um Perleberg als Geocaching-Strecken genutzt werden können, um die Stadt und deren Geschichte attraktiv herüberzubringen. Gemeinsam wurden Vorbereitungen getroffen, um weiteren Bürgerinnen einen attraktiven und innovativen Zugang zu den Wegen, zur Geschichte und zur Stadt Perleberg zu verschaffen.

 

Das Demokratie-Roulette wurde von den Teilnehmerinnen als Möglichkeit entwickelt, um auf aktuelle Themen in ihrer Region hinzuweisen, sie kritisch zu hinterfragen und sie publik zu machen. Ziel war die Erstellung einer Kärtchen-Sammlung zu Fragen und Begriffen der Kommunalpolitik, speziell zur aktuellen Debatte um Ernährungssouveränität sowie Ernährung und Industrialisierung der Landwirtschaft in der Region. Im Zuge dessen hatten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit über die Notwendigkeit nachhaltiger Ernährungskonzepte, die Schaffung regionaler Arbeitsplätze und das unverzichtbare Engagement ehrenamtlich tätiger Frauen in der Region zu sprechen. Engagierte und interessierte Bürgerinnen sammelten Fragen und mögliche Antworten, um diese im Anschluss in zeitgemäßer attraktiver Spiel-Form umzusetzen. Herausgekommen ist eine geeignete generationsübergreifende Methode der Wissensvermittlung in Form eines selbst gestalteten Spiels. Dies kann auf regionalen Veranstaltungen zum Einsatz kommen, Engagement wecken und Debatten anstoßen.

 

E. Gemeinsame Zubereitung von Speisen

 

Diese Aktivität zielt nicht etwa darauf ab, genderspezifische Zuschreibungen zu untermauern. Vielmehr dient die Zubereitung von Speisen als geeigneter Ausgangspunkt, sich mit den Themen Gesundheit und nachhaltige alternative Ernährungsweisen zu befassen. Somit wurde zum Beispiel mittels der Zubereitung eines Rohkostkuchens gemeinsam mit einer Prignitzer Politikerin unter der Zielführenden Anleitung einer Expertin angestrebt, den Austausch der Teilnehmerinnen anzuregen und darüber hinaus über die Rolle der Brandenburger „Landfrau“ und die oft erwähnte Doppelbelastung von Beruf und Haushalt zu hinterfragen und zu diskutieren. Rohkostkuchen stand im übertragenen Sinne für einen alternativen und einfach realisierbaren Lösungsansatz.

 

F. Ausstellung - Eine typografische und gendersensible Sammlung von Begriffen der Kommunalpolitik

 

Ausgehend von der in der Politik oftmals verwendeten sperrigen und abstrakt-bürokratischen Sprache, haben sich Prignitzer Frauen getroffen, um dieses Thema anzugehen. In einer Ideenkonferenz wurden Begriffe der Kommunalpolitik gesammelt und hinsichtlich Verständlichkeit und Gendersensibilität betrachtet. In diesem Zusammenhang wurden die TeilnehmerInnen dazu angeregt, ihr eigenes politisches Engagement zu reflektieren und über ihre alltägliche Wortwahl nachzudenken. Als visuelles Ergebnis wurden einzelne Worte symbolisch in einen künstlerisch-kommunikativen neuen Zusammenhang gestellt und im weiteren Schritt in einer Ausstellung präsentiert.

 

G. Humorkritisches Impro-Theater mit anschließender Diskussionsrunde

 

Zwei Kabarettistinnen brachten brisante Inhalte rund um die Themen Gleichstellung, Politikverdrossenheit und Stereotype auf entstaubte und originelle Weise auf die Bühne. Alltagssituationen in unserer Gesellschaft wurden aufgegriffen und unter Einbindung des Publikums auf bissige doch zugleich sympathische Weise kritisch hinterleuchtet. Die Interessen und Erfahrungen der ZuschauerInnen wurden direkt mit ins Programm eingebunden - das Publikum konnte Vorschläge äußern oder auch mitspielen. Im Anschluss fanden Fragerunden statt und die TeilnehmerInnen hatten somit die Chance das Gesehene zu reflektieren.