Internationale Fortbildungen mit ERASMUS+


Auch im Jahr 2019 hat die LAG eine EU geförderte internationale Erasmus + Fortbildungsreihe zum Thema "Partizipation und Empowerment im ländlichen Raum" angeboten. Die einzelnen Fortbildungen wendenten sich an Multiplikator*innen der Erwachsenenbildung und vermittelten Fachwissen sowie konkrete Methoden, die in die eigene Bildungsarbeit eingebunden werden können. 


Bildungsarbeit mit geflüchteten Frauen

 

Vom 02. - 06.04.2019 besuchten die Teilnehmenden der Fortbildung den Frauenservice Graz in Österreich. Dort lernte die Gruppe pädagogisches Grundwissen zur geschlechtergerechten Bildungsarbeit, als auch Kenntnisse über die speziellen Lebenslagen und Erfahrungen von geflüchteten Frauen kennen. Am Dienstag ging es um das gemeinsame kennenlernen der Teilnehmenden, die Erwartungen an die Fortbildung und die finale Absprache des Programmes der nächsten Tage. Der Mittwoch begann mit einer theoretischen Einleitung über die Grundlagen frauenspezifischer Bildungsarbeit und wurde ab-geschlossen mit Vorträgen und Diskussionen der Organisation DANAIDA und einer thematischen Einführung in das Thema Sexarbeit und Migration in Österreich.

 

Am Donnerstag wurde viel theoretischer Input über Interkulturelle- und Genderkompetenzen vermittelt. Behandelt wurden dabei Themen, wie unter anderem: Flucht und Trauma, Empowerment, Paternalismus, eigene Vorurteile, einnehmen von anderen Perspektiven, interkulturelle Bildungsansätze, Frauenspezifische Themen und Zielgruppenansprache. Abgerundet wurde der Tag durch eine geführte Besichtigung der Ausstellung „WIR FRAUEN* WERDEN ES UNS NICHT NEHMEN LASSEN, FÜR UNSERE RECHTE ZU KÄMPFEN. Guerilla der Aufklärung“ und anschließender Diskussion mit einer der Künstlerinnen.

 

Der Freitag begann mit der Vorstellung des Projektes und Lernortes „Cafe Palaver“ und einer Diskussion mit den Teilnehmenden des Cafes. Im Anschluss stellte sich der Verein SOMM (Selbstorganisation von und für Migrantinnen und Musliminnen) vor. Hierbei konnten die Teilnehmenden der Fortbildung viele interessante neue Methoden und Ansätze für ihre eigene Arbeit mitnehmen und es entwickelte sich eine sehr angeregte Diskussion über verschiedenste Themen. Am Nachmittag stellte der Frauenservice Graz ein durch das Netzwerk der Österreichischen Frauen und Mädchenberatungsstellen erarbeitetes Curriculum zu Bildungsarbeit mit geflüchteten Frauen vor. Hiervon nahmen alle Teilnehmenden sehr viele Anregungen für die zukünftige Bildungsarbeit mit.

 

Am letzten Tag am Samstag wurden die vergangenen Tage ausgewertet und die Ergebnisse und gesammelten Erfahrungen noch einmal zusammengefasst sowie den Teilnehmenden Raum zur Vernetzung, zum Erfahrungsaustausch und Transfer auf die eigene Arbeit ermöglicht.

 

Ein großer Dank gebührt dem Frauenservice Graz für die reibungslose Organisation der Fortbildung und für den vielfältigen Input zu verschiedensten Themen. Die Teilnehmenden waren derart begeistert von der Fortbildung, dass sich viele noch einige Tage mehr wünschten, um noch mehr Inhalte kennen zu lernen und Diskussionen führen zu können.


Bildungsprojekte partizipativ und empowernd gestalten vom 07. - 11.05.2019 in Valencia

 

Die LAG organisierte in Zusammenarbeit mit AC Amics de la Biblioteca de la Fonteta vom 07. bis 11. Mai 2019 eine Erasmus + Mobilität der Erwachsenenbildung. Die Fortbildung „Bildungsprojekte partizipativ und empowernd gestalten“ ermöglichte zehn Menschen aus (Weiter)Bildungskontexten eine vielseitige Fortbildungsreise nach Valencia. Antonio Benaches von der Partnerorganisation AC Amics de la Biblioteca de la Fonteta und sein Kollege Jean-Francios Alberghi führten die Gruppe durch ein abwechslungsreiches Programm voller kreativer und fachlich fundierter Methoden und Informationen, sodass die eigene Bildungsarbeit reflektiert und aktualisiert werden konnte. Zunächst erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit eigene Bedarfe und Erwartungen an die Inhalte der Workshopwoche zu richten. Anschließend wurde das Programm vorgestellt, welches durch ein Online Tool direkt digital zugänglich gemacht wurde und so jederzeit vom Smartphone abrufbar war. Dieses Online-Werkzeugs ermöglichte den Teilnehmenden durch die Verknüpfung mit einer Online-Stadtkarte alle Orte und Treffpunkte der Fortbildung eigenständig zu recherchieren und zu erreichen. Zum Abschluss des Tages wurde einführend theoretisch erläutert, worum es bei den beiden Begriffen Partizipation und Empowerment geht.

 

Der zweite Workshoptag begann mit der Exploration spielbasierter Lernmethoden. Die Teilnehmenden erprobten neun verschiedene Karten- bzw. Brettspiele, die alle in Bezug auf ihre eigene Bildungsarbeit angewendet werden konnten. Vom leichten Mathematik-Kartenspiel bis zu komplexeren Kommunikationsspielen wurden alle Angebote mit Freude ausprobiert und auf eigene Bildungsinhalte übertragen. Zwei Lehrerinnen für den Bereich "Deutsch als Fremdsprache" begeisterte vor allem ein Spiel mit leicht verständlichen Piktogrammen, mit denen Gefühle und Empfindungen ausgedrückt werden konnten. Durch die Spielerfahrung erkundeten die Teilnehmenden ganz neue Dimensionen des Lernens. Neue Räume voller Möglichkeiten wurden durch das Spielen eröffnet. Der Nachmittag wurde zum vertieften Kennenlernen der Professionen der Teilnehmenden genutzt und zur Diskussion von best-practice Beispielen aus der eigenen Praxis bezüglich Partizipation und Empowerment.

 

Am dritten Workshoptag lernte die Gruppe eine Methode zur kollegialen Fallberatung kennen und arbeitete gemeinsam an einem konkreten Problem aus der Bildungsarbeit. Die Methode zeigte deutlich auf, dass Kooperation, Kommunikation und ein strukturiertes und achtsames Vorgehen zu sehr befriedigenden Ergebnissen führen und berufliche Herausforderungen ohne Frustration bearbeitet werden können. Die vorgestellte Methode erlaubte allen Teilnehmenden einen intensiven Einblick in die Bildungspraxis des Bildungsbereiches „Deutsch als Fremdsprache“ und bereicherte das Verständnis für persönliche, fachliche und politische Dimensionen der Bildungsarbeit mit Erwachsenen. Den Nachmittag verbrachten die Teilnehmenden mit Inhalten der „Gemeinwohl-Ökonomie“, die von einem spanischen Mitglied der Bewegung vorgestellt wurde. Gemeinsam erarbeitete die Gruppe gemeinwohlorientierte Werte und diskutierte diese in Bezug auf die eigene berufliche Tätigkeit und im Kontext von Partizipation und Empowerment.

 

Der Vortrag eines Lehrers für Grundbildung aus einer städtischen Bildungseinrichtung für Erwachsene der Stadt Silla, am Vormittag des vierten Workshoptages, war für einige Teilnehmende ein Highlight der Woche. Der junge Mann berichtete sehr anschaulich und lebendig aus seiner Arbeit mit Senior*innen, die nicht lesen und schreiben können. Die Relevanz von Bildung im Alter und deren positive Konsequenzen für die Region wurden durch diesen Programmpunkt sehr deutlich. Die Teilnehmenden erhielten nicht nur einen Einblick in die hiesige Bildungspraxis, sondern lernten die ganz persönlichen Motive, Herausforderungen und Motivationen des Lehrers kennen. Der Nachmittag gestaltete sich erneut spielerisch. Mithilfe von Lego/Duplo Bausteinen wurden die Teilnehmenden an Teambildungsprozesse und Gruppendynamiken heran geführt, die ohne Probleme auch mit den eigenen Lerngruppen in der eigenen Arbeit angewendet werden können. Hierbei spielte Kommunikation und Vertrauen eine große Rolle, da die Teilnehmenden zum Beispiel blind einen Turm bauen mussten oder beim gemeinsamen konstruieren nicht kommunizieren durften, wobei jede*r eigene eigene, spezielle Aufgabe innerhalb des Konstriktionsprozesses erfüllen musste.

 

Am fünften Tag präsentierten Antonio Benaches und Jean-Francios Alberghi, neben weiteren analogen Spielformaten, Strategien zu kollektiven Problemlösungsprozessen, die von der Gruppe erprobt werden konnten. Sie stellten den Teilnehmenden außerdem eine umfangreiche Sammlung von Handbüchern für partizipativen Bildungsunterricht, Online Tools für vereinfachte Organisations- und Entscheidungsprozesse sowie Informations- und Kommunikationstechnologie, die den Arbeitsalltag von Bildungspersonal deutlich vereinfachen können, vor. An Computern wurden viele dieser Tool ausprobiert und individuell bewertet.

 

Danach stand auch schon die Evaluation der Fortbildung im Fokus. Auch hier wurden Möglichkeiten einer kreativeren und partizipativeren Feedbackrunde erprobt. Die Teilnehmenden äußerten sich durchweg positiv zum Inhalt der Fortbildung. Sowohl das Gruppengefühl, als auch die vermittelten Schwerpunkte wurden von jeder Person als sehr angenehm, passend und nachhaltig eigeschätzt. Neben viel Lob äußerten die Teilnehmenden auch Verbesserungsvorschläge, die das Vertrauen und die empfundene Augenhöhe zwischen den Fortbildungsleitenden und der Gruppe verdeutlichten. 


Willkommenskultur in peripheren Räumen - Herausforderungen & Chancen für Einheimische und Geflüchtete in Kalabrien

 

Vom 15. bis zum 19. Mai 2019 besuchte eine Gruppe der LAG die Region Kalabrien in Italien. Hier wurden in den letzten Jahren Tausende von geflüchteten Menschen untergebracht und hier nahm 1998 auch die sogenannte „diffuse Aufnahme“ ihren Anfang, im Rahmen derer die Geflüchteten nicht in großen Zentren untergebracht wurden, sondern in Wohnungen innerhalb der Ortsgebiete und immer in engem Kontakt mit den kommunalen Aufnahmeorganisationen und den Einheimischen.

 

Neben Ortsterminen wurden zahlreiche Vorträge zu Themen geliefert, mit deren Hilfe die Teilnahmenden die aktuelle Situation besser in den allgemeinen und geschichtlichen Kontext eingliedern konnten. Es wurde über die Geschichte und die soziale und wirtschaftliche Lage der Region Kalabrien gesprochen, über die Rolle der dort angesiedelten kriminellen Vereinigung ‘Ndrangheta und über die Flüchtlingspolitik in Italien. Hierbei ging es vor allem um die jüngsten Entwicklungen der rechtspopulistischen Regierung, die seit einem Jahr an der Macht ist. Sie lehnt diese Art der Willkommenskultur ab und hat vor allem die kommunale Aufnahmestruktur zum Teil bereits zerschlagen. Die Gruppe war vor Ort im kleinen Dorf Camini in Zimmern und Wohnungen untergebracht, in denen sonst Geflüchtete leben. Das Eintauchen in diese besondere Form der Aufnahme wurde von den Teilnehmenden als besonders bereichernd empfunden. Am Mittwoch traf die Gruppe in Camini ein und die Gruppenleiterin Esther Koppel stellte sich, ihre Arbeit und das Programm vor. Danach erklärten die Teilnehmenden ihre Erwartungen, Hoffnungen und eigenen Erfahrungen. Im Anschluss gab es einen Vortrag über den sozialen, rechtlichen und historischen Kontexten der Flüchtlingspolitik in Italien und insbesondere in Kalabrien.

 

Am Donnerstag waren die Teilnehmenden im Örtchen Badolato zu Gast, wo sie von Bürgermeister Gerardo Mannello empfangen wurden, der sie durch den Ort führte und im Sitzungssaal des Rathauses ein Vortrag darüber hielt, wie 1998 die ersten Geflüchteten direkt vor der Küste landeten und wie sie aufgenommen wurden. Aufgrund der starken Auswanderung der Einheimischen nach Mittel- und Nordeuropa gab es in Badolato sehr viel Leerstand, weswegen man den Geflüchteten diese Wohnungen zur Verfügung stellte. Weitergehend ging es auch darum, wie sich der Ort über die Aufnahme von Geflüchteten hinaus weiterentwickelt hat und welche Zukunft man für Badolato sieht. Am Nachmittag wurde die Organisation CIR (Centro Italiano per i Rifugiati – Italienisches Zentrum für Geflüchtete) besucht. Der dortige Leiter Antonio Laganà hielt einen Vortrag über die Bedeutung der Organisation und ihre Arbeit, um dann über die letzten, seiner Meinung nach sehr bedenklichen Entwicklungen in der italienischen Flüchtlingspolitik einzugehen.

 

Am Freitagvormittag wurde die Gruppe vom Bürgermeister des Ortes Camini Pino Alfarano im Rathaus herzlich begrüßt. Herr Alforno hielt einen Vortrag über die Möglichkeiten einer gelungenen Willkommenskultur und darüber wie Ablehnung und Vorurteilen vorgebeugt werden kann. Im Anschluss erhielt die Gruppe einen geführten Stadtrundgang, den der Leiter einer hiesigen Genossenschaft, die sich derzeit um etwa 120 Geflüchtete kümmert, Rosario Zurzulo und seine Frau Giusy durchführten. Sie zeigten die Strukturen, die in den letzten Jahren entstanden sind (von einem multikulturellen Kindergarten und einer Sprachschule bis zu einer Tischlerei, einer Bäckerei und verschiedenen Handwerksbetrieben, in denen die Geflüchteten mitarbeiten oder auch eine Ausbildung machen können) und berichteten von den Plänen, die man für den Ort hat, um zu verhindern, dass vor allem die Jüngeren weiter auswandern müssen. Am Ende der Führung gab es eine Diskussion über das erlebte und die Möglichkeit der Übertragbarkeit auf die eigene Arbeit in Deutschland. Am Nachmittag hielt die Sozialarbeiterin Daniela Trapasso einen Vortrag über die konkrete Arbeit mit den geflüchteten Menschen und die Bemühungen, wenigstens für einige von ihnen eine stabile Arbeit zu finden, damit sie weiter im Ort bleiben, auch nachdem ihr Asylantrag angenommen wurde.

 

Am Samstag ging es nach Riace. Der Ort, der für seine Aufnahmekultur weltberühmt, aber inzwischen fast ausgestorben ist, nachdem das italienische Innenministerium die dortigen Strukturen von einem Tag auf den anderen geschlossen hat und die etwa 80 geflüchteten Menschen, die dort zum Teil schon seit vielen Monaten lebten, auf ganz Italien verteilte. Auch etwa 40 Menschen aus Riace, die in den Aufnahmestrukturen arbeiteten, sind jetzt arbeitslos. An diesem Tag gab es Vorträge und Workshops zu den Themen: Wie adressiere ich die Zielgruppe richtig? Wie kann mit bürokratischen Hürden umgegangen werden? Wie hole ich die lokale Bevölkerung mit ins Boot und wie verhindere/gehe ich mit Fremdenfeindlichkeit um? Bedrückend war bei den Vorträgen die Hoffnungslosigkeit, die man bei den Vortragenden bemerkte. Am Abend organisierten unsere Gastgeber in Camini im einzigen Restaurant des Ortes ein großes Abschiedsessen mit vielen lokalen Köstlichkeiten, bei dem die außerordentliche Gastfreundschaft der Menschen aus Camini noch einmal deutlich wurde.

 

Am Sonntag ging es abschließend darum, wie lokale Netzwerke etabliert/ausgebaut und wie private sowie öffentliche Akteure involviert werden können. Danach wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur aktuellen Situation in Brandenburg besprochen sowie diskutiert, wie man das Erlernte auf die eigene Arbeit übertragen kann. Bei der anschließenden Schlussbesprechung und der Evaluation des Seminars äußerten sich alle Teilnehmenden extrem positiv über das allgemeine Klima, dass in der Gruppe und mit der Kursleiterin Frau Esther Koppel entstanden war und hoben die Freundlichkeit und die Bereitschaft aller Gesprächspartner hervor, die zu allen Themen Auskunft gaben und die die Kursteilnehmenden wie gerngesehene Gäste und Freunde behandelten. Ihnen allen gebührt unser besonderer Dank.

 


Mobilitätsprojekte in der Erwachsenenbildung im Rahmen von Erasmus+ sind organisierte Lernaufenthalte im europäischen Ausland für Bildungspersonal der Erwachsenenbildung.